Funktionelle Herzbeschwerden

Jeder von uns weiß wo sich unser Herz im Brustkorb befindet… Manchmal nehmen wir uns Situationen sehr zu Herzen, manchmal wird uns unser Herz sehr leicht oder schwer, manchmal wird uns unser Herz gebrochen oder wir verschenken es, manchmal hüpft es vor Freude oder möchte vor Glück zerspringen.

Wir sehen, sprachlich beschäftigen wir uns sehr viel mit dem Herzen.
Auch in anderen Kulturen, und damit in deren medizinischen Konzepten, spielt das Herz eine besondere Rolle – wir denken an den Herzmeridian oder das Herzchakra.

Aber normalerweise spüren wir unser Herz – diesen immer fortlaufenden Motor – nicht. Wenn wir es aber zu spüren bekommen macht es uns Angst.

Unter dem Begriff „funktionelle Herzbeschwerden“ versteht man alle Beschwerden des Herzens die keine organisch nachweisbare Ursache haben.

Es sind Symptome wie:

Differentialdiagnostisch wichtig ist es in jedem Fall eine Ausschlussdiagnostik zu erstellen, das heißt Herzerkrankungen und Organschäden auszuschließen.
Wenn diese Diagnostik aber ohne Befund bleibt, kommt der Begriff der Funktionellen Herzbeschwerden ins Spiel – also reale Symptome ohne erkennbare Ursache.

In der osteopathischen Behandlung gehen wir diese Ursachensuche wie immer in funktioneller Hinsicht an, um herauszufinden was das Herz in seiner Arbeitsweise stört oder beeinträchtigt.
So können z.B. Blockaden in der Wirbelsäule oder den Rippen, ebenso wie Beschwerden der Oberbauchorgane oder ein blockiertes Zwerchfell zu Herzrhythmusstörungen führen.

Im Brustkorb ist das Herz gut eingebettet und befestigt durch faszialen Strukturen. Durch eine überhöhte Spannung in diesen Strukturen können das typische Engegefühl ebenso wie auch alle anderen Symptome der Funktionellen Herzbeschwerden entstehen.
Auch eine Dysbalance im Vegetativen Nervensystem steht als mögliche Ursache zur Verfügung.
Dieses sind nur einige der möglichen Ursachen aus osteopathischer Sichtweise, die den dementsprechenden Behandlungsansatz bringen.

Zu einer Behandlung gehört für mich aber auch ein Verständnis dafür zu entwickeln was unser Herz belastet und sich darum zu kümmern.
So wie wir z.B. nach einer Beinverletzung einen geschwächten Muskel trainieren müssen, so müssen wir für das Herz aber auch eine Sprache oder einen Zugang finden, so dass es von Erlebnissen heilen darf oder ihm ein anderes Stressmanagement anbieten. Denn das Herz ist nun mal auch der Sitz unsere Emotionen und Gefühle.
In der Osteopathie ist man immer erst davon ausgegangen, dass sich Emotionen im Herzbeutel, dem sogenannten Pericard, abspeichern.

Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen, besonders einer amerikanischen Forschergruppe, konnte man aber nun ein „Herzgehirn“ nachweisen, also Nervenzellen wie im Gehirn, mit den gleichen Arbeitsmöglichkeiten, aber mit Sitz im Herzen.

Damit bekommt der Begriff „sich etwas zu Herzen zu nehmen“ eine völlig neue Bedeutung.
Das heißt nämlich: das Herz speichert Erlebnisse unseres Lebens direkt in sich.
Und auch das bedeutet Behandlung für mich. Denn ebenso wie wir eine verkürzte Faszie dehnen, so müssen wir auch die Sprache des Herzens, des Unterbewusstseins, erlernen um diese gespeicherten Informationen und Emotionen zu bearbeiten und zu heilen.

Jeder Mensch ist einzigartig, jedes Leben mit seinen Geschichten ist einzigartig und so auch jede Behandlung. Und es liegt in der Verantwortung eines Jeden von uns sich gut um sein Herz zu kümmern.